Mittwoch, 26. Januar 2011

Ein paar Dinge

So die Woche haben sich auch mal wieder ein paar Sachen ergeben, die ich hier reinschreiben kann. Am Wochenende war ich mal wieder in Castuera, um die anderen Freiwilligen zu besuchen. Glücklicherweise hatte ich ein günstiges Wochenende ausgewählt, denn am Samstag wurde in Castuera eine Dorfmatanza veranstaltet. Bedeutet also, dass ein Schwein auf dem Dorfplatz für alle geschlachtet wurde und das ganze dann als Fest gefeiert wurde. Natürlich waren nicht so viele Leute anwesend, denn die meisten machen in Castuera am selben Wochenende ihre eigene Matanza und sind dann in ihren Fincas im Campo. Aber das hat dem ganzen keinen Abbruch getan, denn schön war es trotzdem. Während man beim Schlachten zugeschaut hat, hat man Wein getrunken und salchichas fritas verspeist, die natürlich wieder einmal sehr lecker waren. Den anderen Freiwilligen hat das ganze aber nicht so gefallen und sie wollten dann am selben Tag dann kein Fleisch mehr essen, weil sie ja das Schwein vor dem Schlachten gesehen haben :-). Passend zur Matanza war am Wochenende auch das Wetter, denn es war mal wirklich recht kühl hier. Vor allem wegen einem richtig eisigen Wind. Habe dann hier auch das erste mal an einer Temperaturanzeige ein Minuszeichen gesehen, auch wenn es nur -1 war.
Am Sonntag war ich dann mal wieder am Castillo einen Tee trinken und die Sonne hat schön geschienen und ich hatte mein Kamera dabei, also habe ich doch glatt ein paar Fotos geschossen. Denn jetzt schaut der Campo wirklich sehr schön aus. Denn alles ist jetzt durchgehend grün und es ist nichts mehr von gelbem Gras zu sehen.
Und heute hat sich auch noch was ergeben. Denn heute bin ich mit ein paar Leuten von Aprosuba nach Zafra gefahren. Denn natürlich gibt es auch hier für Behinderte Sportveranstaltungen. Die größte Veranstaltung sind im Mai die „Olympischen Spiele der Behinderten der Extremadura“. Und davor gibt es eben auch noch ein paar kleinere Sportevents. Heute war eben so eines, aber eben nur in der Disziplin Laufen. Also wurde auf einem Feld ein Rundkurs über 1 km abgesteckt, in dem dann in verschiedenen Kategorien und Altersklassen Wettkämpfe abgehalten wurden. Leider ist es eben bei uns in Aprosuba nicht möglich dauerhafte Mannschaften für Wettkämpfe verschiedener Sportarten aufzustellen, weil Aprosuba 12 dafür zu wenig Leute hat. Aber alle anderen Aprosubas haben in vielen Disziplinen richtige Mannschaften, die dann nicht nur 2 oder 3 mal im Jahr antreten, sondern im ganzen Jahr immer Wettkämpfe haben.
Anbei wieder ein paar Fotos.

Das ganze Schwein zerteilt. In der Mitte ein Teller mit Oliven und eine Karaffe mit Wein
Blick vom Castillo auf den Embalse de Serena

Montag, 17. Januar 2011

Muchos Caballos

So diesmal melde ich mich mal wieder etwas früher, weil sich kurzfristig ein kleiner Ausflug ergeben hat und zwar in eines meiner Nachbardörfer. Das Dorf nennt sich Navalvillar de Pela. In diesen paar Tagen wird das kleine Dorf zu einem Domizil der Pferde. Denn aus der ganzen Region fahren Reiter mit ihren Pferden nach Navalvillar, um das Patronfest von San Anton zu feiern. Das ganze gleicht einer Feria im Winter, nur mit dem Unterschied, dass es einen Fülle an Pferden gibt. Die ganzen Tage bewegen sich die Reiter auf ihren Pferden durch die Straßen und feiern. Am gestrigen Abend gab es dann ein Spektakel für die gesamten Zuschauer. Aus ein paar Straßen hat man einen Rundkurs für die Reiter mit ihren Pferden zusammengestellt, in dem dann die ganze Nacht und die ganzen nächsten Tage geritten wird. An den ganzen Ecken der Straßen werden dann noch große Feuer entfacht, die mit den abgeschnittenen Ästen der Olivenbäume dauerhaft am Lodern gehalten werden. Dementsprechend setzt sich auch nach und nach immer mehr Rauch in den Straßen fest und man stinkt danach richtig schön. Die ganzen Menschen stehen dann immer am Rand der Straßen und verfolgen das ganze. Am Anfang ist das ganze noch nicht ganz so gefährlich, aber je später der Abend wird, desto gefährlicher wird es, denn das ganze Fest findet natürlich nicht ganz ohne Alkohol statt. Die Reiter und die Pferde bekommen dann immer an bestimmten Stationen reichlich Nahrung in der jeweils entsprechenden Form. Des weiteren tragen fast alle Reiter eine typische spanische Trinkflasche aus Leder bei sich, die mit Wein gefüllt ist. Insofern ist dann der Großteil der Reiter ganz gut dabei und die Kontrolle über die Pferde lässt dann leicht nach. Das ganze geht dann auch noch recht lang. Es hat um 8 Uhr angefangen und wir sind um 11 gegangen und am Ende waren es eher mehr Reiter als vorher. Ich will also gar nicht wissen, wie lange die da noch geritten sind. Teilweise kam man sich dann auch wie im Western vor. Denn vor den ganzen Bars standen dann die Pferde, während die Reiter drinnen waren, und alle Reiter trugen natürlich eine entsprechende Tracht. Das ganze war also schon eine Erfahrung wert. Mehr kann man denke ich dem Video entnehmen, das ich diesmal hochgestellt habe.
Noch eine kleine Anmerkung. Ich habe jetzt schon die ersten Ergebnisse meiner Matanza gegessen. Bis jetzt habe ich schon Salchichon und Chorizo verspeist und man kann sie mit Genuss essen :-). Dazu auch noch kurz. Die Matanza ist eine reine Tradition des Südens von Spanien. Denn nur in diesen Regionen also Extremadura und Andalucia erlaubt es das Wetter diese Art des Wurstmachens. Denn nur hier ist die Kälte im Winter trocken und nicht feucht, was das Lufttrocknen des Fleisches überhaupt erst möglich macht.
Wie schon gesagt, gibt es diesmal keine Fotos, sondern ein Video :-).

Das Video ist noch realtiv am Anfang des Festes, deshalb sind dort noch nicht ganz so viele Pferde, später hat man auf der Straße nur noch Pferde gesehen.

Donnerstag, 13. Januar 2011

Navidad, Noche Vieja, Reyes, Trabajar

So seit langem melde ich mich mal wieder, weil irgendwie hatte ich die ganze Zeit nicht so viel zum schreiben und jetzt ist mal wieder ein bisschen mehr zusammengekommen.
Ja wie es einige von euch bestimmt gemerkt haben, war ich über Weihnachten für eine Woche in Deutschland, um mal wieder ein bisschen Heimat und vor allem den Schnee zu schnuppern. Natürlich kam ich auch nicht drum herum, dass das Schneechaos meine Heimfahrt etwas erschwert hatte, aber mit 4 Stunden Verspätung kam ich dann dennoch in Bayreuth an. Auf meiner Heimreise habe ich dann sogar einen Erasmus-Studenten kennen gelernt, der gar nicht weit von mir wohnt. Konnte man sich gleich mal über die verschiedenen Erfahrungen austauschen. Nachdem ich dann schon mein erstes Klassentreffen hinter mir hatte, habe ich mich wieder auf meine Heimreise nach Puebla gemacht, weil ich hier Silvester feiern wollte. Abends waren wir dann zusammen gehockt und haben Langusten und ein Ferkel verspeist :-). Dann sind wir schnell zur Casa Cultural gelaufen, um dort in das neue Jahr reinzufeiern. Denn in Spanien gibt es eine Tradition zum Neujahreswechsel. Man muss um Punkt zwölf anfangen zu den darauffolgenden zwölf Glockenschlägen zwölf Weintrauben zu essen. Das ganze gestaltet sich aber schwieriger als es sich anhört. Ich habe es nur mit Müh und Not geschafft. Zwölf Sekunden nach zwölf war dann also mein Mund dementsprechend voll :-). Das Lustige an dieser Tradition ist nur, dass es eigentlich gar keine Tradition ist. Das ganze entstand nämlich erst im letzten Jahrhundert. Vor einigen Jahren war die Traubenernte so reichlich, dass man nicht mehr gewusst hatte, was man damit anfangen soll. Irgendein Genie hat dann das mit den Silvestertrauben vorgeschlagen und seitdem macht es jeder. Lustige Geschichte. Danach ging es dann in den örtlichen Dorfpub und man hat gefeiert. Wobei die Leute natürlich erst recht spät kamen wie immer halt. Also erst so um eins, halb zwei war das ganze erst richtig gefüllt. Zu meinem Erstaunen wurde auch so gut wie gar nicht mit Feuerwerk geschossen. Ich bin zwar in einem kleinen Dorf, aber auch in den umliegenden Dörfern hat man so gut wie gar nichts gesehen. Feuerwerk wird hier auch nicht wie bei uns in Lidl, Aldi oder ähnlichen verkauft, sondern nur in speziellen Geschäften und dann fährt da natürlich nicht jeder hin. Die Spanier schießen dann doch mehr an ihren Ferias. Ja die darauffolgenden Tage hatte ich frei, weil die Schule geschlossen hatte. Ich konnte aber leider in den Tagen nicht viel machen, weil das Wetter sehr schlecht war. Hat mal wieder sehr viel geregnet.
Am 5. Januar war ich dann Abends in Montijo, liegt ungefähr in der Nähe von Badajoz, um dort den Umzug der Reyes anzuschauen. Wie ich ja schon einmal geschrieben habe, gibt es ja hier die Geschenke nicht zu Weihnachten, sondern zu den Heiligen Drei Königen. Am Tag davor feiert man dann eben den Einzug der Reyes in die Stadt, indem ein großer Umzug veranstaltet wird. Das gibt es in so gut wie jedem Dorf, in Madrid ist das natürlich ganz groß und wird dann auch im Fernsehen übertragen. Das ganze kann man sich ungefähr wie Karneval vorstellen. Es fahren Traktoren mit Anhängern durch die Straßen, auf den Anhängern sind dann verschieden Darstellungen wie zum Beispiel die Matanza oder der Himmel mit Engeln und viele weitere. Am Ende von dem Umzug kommen dann die drei Könige auf jeweils einem großen Anhänger und die sitzen auf einem großen Thron. Während des Umzugs werden die ganze Zeit noch Süßigkeiten in die Menge geworfen und zum Abschluss gab es noch ein Feuerwerk. Die Geschenke werden dann entweder noch abends ausgepackt oder früh am nächsten Tag. Ich habe dann natürlich hier auch ein paar deutsche Geschenke verteilt darunter Bierkrüge und Nürnberger Bratwürste. Wurde natürlich mit Freuden angenommen :-). Wobei ich natürlich erst einmal klarstellen musste, dass sie die Bratwürste nicht frittieren oder mit Olivenöl anbraten, sondern mit Butter. Ist ja hier nicht selbstverständlich. Das seltsame hier ist nur, dass der schwarze König hier nicht der Kaspar ist, sondern der Balthasar. Das ganze hat dann natürlich zu lustigen Diskussionen geführt, wer nun recht hat :-).
Die restlichen Tage vor meinem Arbeitsbeginn habe ich dann viel mit meinen Freunden verbracht, weil natürlich zu Weihnachten jeder wieder in sein Heimatdorf gefahren ist. Am Montag ging es dann natürlich wieder mit der Arbeit los und natürlich habe ich mich auch schon wieder auf meine Kinder gefreut. Als ich hier in Puebla ankam habe ich auch erfahren, dass Aprosuba mit seiner Losnummer bei der spanischen Weihnachtslotterie gewonnen hatte. Da ich auch 4 Lose hatte, konnte ich mich dann auch das erste mal über einen Gewinn in einer Lotterie freuen :-).Glück gehabt.
Zum Schluss könnt ihr euch nochmal für mich freuen, denn ich war heute schön in der Sonne gesessen mit angenehmen Temperaturen um die 15°C :-). Soweit von mir, der nächste Bericht folgt. Anbei wieder ein paar Bilder.

Wie man sieht, schauen die Könige auch ein wenig anders aus wie bei uns.
Zum Schluss ein Storch, von denen ich zur Zeit hier sehr viel sehe.

Montag, 13. Dezember 2010

Oliven, Oliven, Oliven

So das ist das letzte mal, dass ich mich vorläufig aus Spanien melde. Denn am Sonntag reise ich 8 Tage nach Deutschland und muss das warme Spanien verlassen. Doch zunächst einmal zu meinem Wochenende. Dadurch dass es an diesem Wochenende mal wieder aufgehört hat zu regnen, hieß es das erste mal für mich Oliven ernten. Hier in der Gegend gibt es drei Arten auf die man die Oliven ernten kann. Die einfachste: Es gibt eine große Rüttelmaschine, die am Stamm rüttelt und alle Oliven fallen in ein Netz der Maschine. Die Zweite: Es gibt einen Stab der am Ende eine kleine Rüttelmaschine hat, mit dem man dann die einzelnen Äste rütteln kann. Die Dritte auf die altmodische Art: Die einzige „Waffe“: ein langer Stab aus Holz oder Plastik, mit dem man dann auf die Äste einschlägt, und dazu große Netze, die unter die Oliven gelegt werden. Natürlich habe ich die letzte Variante ausprobiert oder musste es mehr oder weniger. Weil in dem campo, wo ich geerntet habe, sind die Oliven rund 100 Jahre alt und deshalb funktionieren die ersten beiden Varianten nur bedingt gut , weil der Stamm und die Äste zu stark sind. Wobei ich sagen muss wir haben das ganze eher ruhig angehen lassen. Am Tag nur an die 5 Stunden geerntet und letztendlich dann zu zweit zeitweise zu dritt an die 600 kg geerntet. Normalerweise bedeutet Olivenernten 8 Stunden einschlagen oder vom Boden auflesen inklusive eine halbe Stunde Pause. Am Sonntag haben wir dann auch im Olivenhain gegessen. Also schnell ein Feuer gemacht und darauf Schweinefilets gegrillt, dazu Käse, Jamon und Tortilla. :-). Wenn man dann um 17 Uhr im Dorf rumläuft, sieht man alle mit ihren kleinen Anhängern vollgefüllt mit Oliven zu den Fabriken fahren. Denn jeder hat hier mindestens einen kleinen Anhänger und der wird meist nur zum Olivenernten benutzt.
Jetz wird es auch hier in Puebla schon weihnachtlicher. Also ein bisschen später als bei uns, aber doch! Haben jetzt in den Straßen ein paar Lichter und auch eine große Pinie ist geschmückt und auf dem Castillo ist jetzt ein großer Stern, der immer blinkt. In den einzelnen Fenstern sieht man jetzt aber keine Lichter wie bei uns. Hier wird alles mehr mit Girlanden geschmückt. Dafür hängt an vielen Fassaden der Häuser nun eine ganz spezielle Flagge, von der ein Bild angehängt ist. Auch die beiden Klassenzimmer in Aprosuba sind jetzt geschmückt. Des weiteren basteln wir jetzt natürlich viele Weihnachtssachen und schauen ein paar Weihnachtsfilme.
Das nächste mal werde ich mich dann voraussichtlich aus dem verschneiten Deutschland melden :-)
Der Olivenhain am Rande von Puebla
So sieht dass dann aus :-)
Bedeutung:
Gott ist gebohren
Frohe Weihnachten

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Matanza und Regen

Nachdem sich nun mein langes Wochenende dem Ende naht, wollte ich mal wieder etwas schreiben, da wieder einiges passiert ist. Wieso langes Wochenende? Ich habe bis heute frei und muss erst morgen wieder arbeiten. Denn am Montag und heute war hier Feiertag und weil ein Tag dazwischen sich in der Schule ja nicht lohnt, hatten wir dann noch Brückentag. Also sehr angenehm. Wobei man diese Feiertage nicht als Feiertage bezeichnen kann, denn hier gibt es zu dieser Zeit viel zu tun, aber später mehr dazu. Zunächst einmal habe ich am Freitag in meiner Arbeit an die Kinder und meine Arbeitskollegen deutsche Weihnachtsspezialitäten verteilt. Darunter waren diverse Lebkuchen, Anisplätzchen und Stollen. Allen hat es sehr gut geschmeckt und jeder hat gerne eine zweites mal zugegriffen. Natürlich habe ich wieder zu hören bekommen, wie extrem stark wir doch mit Gewürzen arbeiten. In diesem Fall natürlich Zimt und Anis (zu einem vorherigen Blog: Sie kennen hier Zimt, aber nur in Pulverform und es wird nicht sonderlich viel damit gebacken oder gekocht, zumindest im Vergleich zu Deutschland). Was mich natürlich nicht verwundert hat, war, wie mir eine Arbeitskollegin sagte, dass es diese einfachen Lebkuchen auch hier im Lidl zu kaufen gibt, aber sie hat sie noch nicht probiert, weil man es ja hier normalerweise nicht isst. Also man sieht: Lidl verbreitet die deutsche Kultur in der Welt :-).
(Wer nichts über das Schlachten lesen will oder kann, sollte den nächsten Absatz überspringen :-)
Am Samstag hieß es dann früh aufstehen. Denn ich habe mit Justo und seiner Familie eine Matanza gemacht. Matanza ist hier die Bezeichnung für „Wir schlachten selbst unser Schwein und machen Jamon und Salchicha“: Also eine Art Schlachtfest, das noch sehr viele Leute auf den Dörfern machen. Also sind wir in ein etwas weiter entferntes Dorf gefahren, um dort unser Schwein abzuholen. Glücklicherweise haben sie sich für ein Schwein Iberico entschieden, denn dieses hat einen viel besseren Geschmack. Aus diesem entsteht dann auch der typische Jamon Iberico, der hier auch als „Schwarzes Gold“ bezeichnet wird. Also haben wir unser Schwein auf der Weide gesucht und der Bauer hat es dann erschossen. Danach wurde es dann an der Halsschlagader aufgeschlitzt. Das Blut haben wir natürlich aufgefangen, um daraus eine Art Blutwurst zu machen. Also das ungefähr 170 kg schwere Schwein mit dem Gabelstapler auf unseren kleinen Anhänger geladen und wir sind wieder nach Puebla heimgefahren. Zu Hause hat sich dann erst einmal die Frage gestellt wie wir die 170 kg zu zweit vom Anhänger auf einen Tisch ziehen können. Nach mehreren Anläufen hat es dann glücklicherweise geklappt und wir konnten die Haare und die oberste Haut mit einem Brenner entfernen. Danach haben wir natürlich gestunken wie sonst was und der Gestank hat uns den ganzen Tag begleitet. Nachdem der Rest der Familie dann auch dazugestoßen ist und wir erst einmal was gegessen haben und eine kleine Siesta hatten, ging es dann daran das Schwein zu zerteilen. Aber natürlich zu Beginn mit großer Vorsicht, dass die Därme für die Wurst nicht beschädigt wurden. Danach ging es dann schon etwas schneller. Am Ende hatten wir dann also Lende, die beiden Hinterbeine, Rippen, Kopf und Sekret, ein Stück am Teil der Bauchwand, das hier als sehr gute Delikatesse gilt. Alle anderen Teile wurden dann kleingeschnitten, damit sie zur Wurstverarbeitung verwendet werden konnten. Dann wurden erst einmal die Hinterbeine – also die Jamones – draußen zum Trocknen aufgehängt. Die Vorderbeine kann man nicht verwenden, da sie kaum Fleisch haben. Lenden und Rippen wurden dann auf Kiefernzweige mit Salz zum trocknen gelegt. Das Fleisch und das Fett haben wir dann durch eine Zerkleinerungsmaschine für die Wurst laufen lassen. Am Abend haben wir das Sekret des Ibericos über dem Feuer gebraten. Und ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber das Fleisch hat wirklich einen komplett unterschiedlichen Geschmack im Vergleich zu einem normalen Schwein. In einem Restaurant muss man anscheinend für so ein Stück auch ungefähr an die 25 € zahlen. Am nächsten Tag haben wir ganz viel Wurst gemacht. Zunächst also Wurstbrät für Salchichon, Chorizo, eine Wurst mit Kartoffeln und eine Blutwurst fertig gemacht und danach alles durch die Wurstmaschine durchlaufen lassen, die natürlich per Hand zu bedienen war. Das Mittagessen war dann typisch für die Matanza: Wein mit Brot und angebratenem Wurstbrät. Sehr lecker. Danach gab es noch Migas. Eine einfache Spezialität hier. Das sind einfach in Olivenöl angebratene Semmelbrösel. Dazu frittierte Salchicha, frittierte Piemientos ( typische längliche spanische Paprika) und frittierte Schweinehaut.
Jetzt heißt es erst einmal warten. Die Würste hängen an der Decke und trocknen ungefähr 2 Monate, ebenso die Lende und die Rippen, wobei die noch ein bisschen länger brauchen werden. Und die beiden Jamones mit jeweils knapp 16 kg, also richtig große, lagern jetzt 16 Tage in Salz und müssen danach ungefähr ein bis eineinhalb Jahr abhängen. Die werde ich also voraussichtlich leider nicht mehr probieren können, aber den Rest dafür schon :-).
Am Sonntag Abend nach der Matanza habe ich dann für meine Freunde hier Glühwein mit Weihnachtssüßigkeiten gemacht. Das ganze hat sich dann eher dahin bewegt, dass es nicht mehr hieß wir trinken heißen Glühwein, sondern wir trinken ihn lieber kalt. Die Spanier waren es nicht gewohnt warmen Alkohol zu trinken und haben immer gewartet bis er kalt war. Aber wenn er kalt war, fanden sie ihn alle sehr gut. Natürlich waren sie wieder überrascht wie stark doch die Gewürze im Glühwein sind, aber das habt ihr euch ja bestimmt schon denken können. Alle haben am nächsten Tag nur gemeint, dass sie sehr gut und mollig warm geschlafen hätten :-).
Eigentlich wollte ich jetzt in diesen Tagen auch bei der Olivenernte mithelfen, da in Puebla fast jeder Oliven besitzt. Aber leider hat mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn seit Freitag regnet es fast durchgehend. Aber das wir sich bestimmt noch ergeben, mal schauen. Anbei ein paar Fotos von der Matanza.
Angebratenes Wurstbrät
Migas
Abhängende Würste

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Verona und Regen

So jetzt hatte ich mich jetzt schon sehr lange nicht mehr gemeldet und will euch mal wieder auf den neuesten Stand bringen. Warum das ganze so lange gedauert hat. Ich habe meinen ersten Urlaub gemacht und zwar war ich in Verona in Italien und habe die Anna besucht. Am Ende der Woche habe ich auch mal wieder meine Eltern gesehen. Also habe ich sozusagen das erste mal meine neue Heimat verlassen :-). Aber davor ist auch noch etwas passiert. Denn vor meiner Abreise hatte ich eine Woche kein Wasser bei mir zu Hause. Naja da sieht man halt mal wieder die spanische Eile. Die man ja eigentlich nicht sieht. Bis die Bauarbeiten erst einmal angefangen hatten vergingen zunächst 4 Tage. Dann hat es zwischendurch einen Tag noch geregnet, an dem dann natürlich nicht gearbeitet wurde. Letztendlich hatte ich dann aber doch wieder Wasser bevor ich abgereist bin. Glücklicherweise konnte ich dann in Aprosuba duschen, sonst wäre das ganze nicht so angenehm gewesen :-). Während dieser Zeit habe ich natürlich auch eine gute Beziehung zum nächstliegenden Brunnen aufgebaut, damit ich wenigstens ein bisschen Wasser hatte. Sonst war die Woche aber sehr ruhig. Wie hier alles zur Zeit ist. Es regnet hier fast jeden Tag und dann hat man auch keine große Lust rauszugehen wie auch die meisten Leute hier in Puebla.
Weitere Anekdote. Auch hier in Puebla ist natürlich deutsche Technologie vorhanden. Denn knapp 2 Wochen ging die Heizung in Aprosuba nicht, weil wir auf ein kleines Ersatzteil aus Deutschland warten mussten. Das witzige ist jetzt nur, dass es zu dieser Zeit in den ganzen Räumen von Aprosuba richtig kalt war und jetzt wo die Heizung wieder funktioniert ist es natürlich so richtig heiß, weil die meisten hier die angenehme Temperaturen von 20 °C immer noch zu kalt finden und die Heizkörper dann voll aufgedreht werden. Also die Hitze begleitet einen ständig egal ob draußen oder drinnen.
Aber jetzt ein bisschen zu Verona. Verona ist auch eine sehr schöne Stadt, die mir gut gefallen hat. Auch wenn das Wetter leider nicht so schön war, haben wir natürlich der Kälte getrotzt und trotzdem einiges unternommen (Kalt in meinen spanische Augen :-). Verona selbst hat ein schönes Flair mit vielen alten Bauten darunter zum Beispiel eine Arena, in der im Sommer Opern aufgeführt werden, mehrere schöne Kirchen und natürlich ein Castillo. Neben dem Sightseeing habe ich mich natürlich mit den italienische Antipasti befasst, die es auch wie in Spanien zu alkoholischen Getränken gibt. Nur mit dem Unterschied, dass es die nur zu einer bestimmten Zeit gibt, also so zwischen 7 und 8 Uhr ungefähr. Des weiteren habe ich auch mal wieder eine gute Pizza und Pasta gegessen. Darüber habe ich mich sehr gefreut, weil das hier bei mir in Aprosuba so gut wie gar nicht gekocht wird. Neben diesem feinen Essen kommt man natürlich in Verona nicht um das Klamotten Kaufen herum. Im Zentrum gibt es zum Beispiel eine lange Straße, in der die ganzen großen Marken wie Channel, Gucci, Dolge und Gabbana, Louis Vuitton und viele weitere mit ihren Geschäften auftrumpfen. Alles natürlich unbezahlbar und meist sind in den Geschäften deutlich mehr Verkäufer als Einkäufer. In Italien sieht man aber trotzdem sehr viele Leute mit diesen Marken rumlaufen, also muss es für die Italiener anscheinend schon sehr wichtig sein. Ich für meinen Teil habe mir Klamotten weit abseits von diesen Straßen gekauft :-). Am Freitag haben wir dann noch einen Ausflug nach Bozen gemacht, weil dort Museumsnacht war. Man muss aber sagen dass der Unterschied wirklich sehr krass war, denn Bozen ist vom Erscheinungsbild viel nördlicher und man merkt auch schon den starken Einfluss von Österreich, insofern ist hier deutsch schon sehr stark vertreten. Allein schon dadurch dass alles überall in zwei Sprachen steht. Also kein Vergleich zu Verona, obwohl doch beide Städte nur 2 Stunden von einander entfernt sind. In Bozen haben wir uns dann also eine Burg, ein modernes Museum, eine Ausstellung über Liebesgaben zur Zeit des Mittelalters und natürlich Ötzi angeschaut, der im örtlichen Archälogiemuseum ausgestellt ist. Ab Samstag war dann in Verona auch ein Christkindlmarkt eröffnet, der schon sehr stark an Deutschland erinnert hat, zumal da es auch Nürnberger Bratwürste gab. Also wurde das bestimmt aus Deutschland importiert. Am Sonntag kam ich dann nach einer 24 stündigen Heimreise, die natürlich auch eine Nacht am Flughafen inklusiv hatte, in meiner Herberge an.
Hier in Puebla merkt man jetzt nicht wirklich, dass es Weihnachten ist. Hier ist es nicht so extrem verbreitet, dass man überall in den Fenstern Lichter und Schmuck aufhängt. In den größeren Städten ist es zwar etwas verbreiteter, dass man in den Straßen eine Weihnachtsbeleuchtung hat, aber ich denke lang nicht so stark wie in Deutschland. Aber vielleicht kommt ja noch etwas, mal schauen. Genauso ist es hier auch nicht üblich, dass man einen Adventskalender hat. Ich habe zwar schon einen in einem Supermarkt gesehen, aber der war natürlich aus Deutschland importiert. Das ganze hängt aber wahrscheinlich auch damit zusammen, dass die Spanier ihre Geschenke nach alter Tradition erst an Heilig drei König bekommen und am 24 oder 25 nichts. Zwar gibt es jetzt auch den Fall, dass einige den Weihnachstmann haben und deshalb die Geschenke am 25 bekommen, aber die meisten bleiben bei der alten Tradition. Insofern sind die Heiligen drei Könige hier nochmal um einiges wichtiger als bei uns.
Soweit von mir, der nächste Bericht wird auf jeden Fall wieder früher kommen. Anbei wieder ein paar Bilder diesmal aber aus Verona und Bozen und nicht aus Spanien.
Puerta Nova - Haupttor in der Innenstand von Verona
Piaza Erbe im Zentrum von Verona
Arena in Verona
Aussicht über Verona
Bayerisches Lokal, wo das Kulmbacher 4,70 kostet
Moderne Brücke in Bozen
Weihnachtlicher Innenhof in Bozen

Mittwoch, 10. November 2010

An alle in Deutschland da draußen auch bei mir ist jetzt das schlechte Wetter leider Gottes angekommen. Zur Zeit ist über Spanien ein ziemlich großes Tief, was dazu führt, dass es hier sehr stürmisch und regnerisch ist. Also auch ich habe jetzt schon einmal meine Winterjacke rausgeholt. Hoffe mal, dass das nur vorübergehend ist.
Gestern habe ich das erste mal hier Glühwein gemacht und dazu deutsche Weihnachtsspezialitäten serviert. Denn ich habe wieder einemal Post aus Deutschland bekommen. Also den Glühwein zusammengepanscht und es ist etwas gutes daraus geworden. Hat sehr gut geschmeckt, auch den Spaniern. Am Wochenende hab ich vor das im größeren Ausmaß für eine Botellon zu machen. Mal schauen wie es dem Rest so schmeckt. Was mich aber erstaunt hat, dass man hier keine Zimtstangen kennt. Ich bin gerade noch dabei herauszufinden, ob sie hier in einer anderen Art vorhanden sind. Mal schauen. Auf jeden Fall hat die Wohnung danach richtig schön weihnachtlich gerochen. Auch wenn es vielleicht noch ein bisschen früh ist, aber wenn das Paket schon gekommen ist :-). Lebkuchen, Baumkuchen und Dominosteine haben ihnen auch geschmeckt. Natürlich kann man hier jetzt auch schon weihnachtliche Süßigkeiten kaufen, aber die sind nicht mit unseren zu vergleichen. Sehr verbreitet ist hier Turron. Ist sehr lecker, so eine Art Marzipan oder Nougat, je nachdem welchen man kauft, aber anders als in Deutschland.
Am Wochenende war ich dann mal wieder unterwegs. Diesmal in Don Benito auf einem Technofestival, nachdem mich meine Freunde hierhin mitgeschleppt haben. Naja die Musik ist jetzt nicht gerade mein Fall und sie wird es auch nicht werden. Aber es war wieder eine große Botellon. Natürlich mit Cuba Libres, auch wenn es für meinen Geschmack sehr unlogisch ist, dass man hier immer, egal wie das Wetter ist, so viel Eis ins Trinken reinmischt, dass einem nur noch Kälter wird. Da ist bei uns der Glühwein schon etwas schlauer. Müssen sie noch etwas dazulernen.
Noch ein paar kleine Geschichten am Rande.
Ich habe es zum ersten mal erlebt, dass einem das Benzin im Auto ausgegangen ist. Hat also bedeutet, das Auto schieben und jeden noch so kleinen Hügel auszunutzen ,damit man im Auto sitzen kann. Zum Glück mussten wir nur 1 km rollen und hatten Glück, dass es ein bisschen bergab gegangen ist.
Zur Zeit mache ich mir gegen Nachmittag zwischendurch eine kleinen Imbiss, weil der Abstand zwischen Mittagessen und Abendessen doch recht lang ist und wenn es dann Mittags nur Linsensuppe gibt erst recht. Also habe ich mal ein Bild für euch geschossen. Schafskäse, normaler Käse, in Olivenöl eingelegter Käse, Oliven, Serano, normalerweise noch Chorizo, hatte aber keine da, Shandy, ein Mixgetränk aus Bier und Limon, gut dabei ist, dass es weniger als 1 Prozent Alkohol hat, und zum Nachtisch einen Pfirsich.
So lässt es sich leben :-). Grüße aus Spanien